Der Plötzliche Kindstod

Expertenempfehlungen zur Prävention des Plötzlichen Kindstods

Der Plötzliche Kindstod - Risiken
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Kaum eine andere Sorge umtreibt frischgebackene Eltern wohl mehr, als die, dass ihr Familienzuwachs im Schlaf an dem plötzlichen Kindstod sterben kann. Der plötzliche Kindstod zählt in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen von Säuglingen, weshalb die Erforschung und Vermeidung desselben unverändert im Fokus von Wissenschaftlern, Kinderärzten und Eltern steht. Erfahre in unserem Text, was du tun kannst, um den gefürchteten Krippentod zu vermeiden bzw. das Risiko stark zu senken.

Vom plötzlichen Kindstod wird dann gesprochen, wenn bei der Obduktion des verstorbenen Kleinkinds keine Anhaltspunkte für andere Todesursachen gefunden werden können und das Versterben somit nicht erklärbar und unerwartet geschieht. Auch wenn der plötzliche Kindstod somit eher eine Ausschlussdiagnose ist als eine Todesart, wird in der Forschung mittlerweile davon ausgegangen, dass all diese Todesfälle gemeinsame Ursachen haben, die es zu finden und erforschen gilt.

Der Krippentod – was ist damit gemeint?

Der plötzliche Kindstod, auch Krippentod oder plötzlicher Säuglingstod genannt, ist eine der häufigsten Todesarten von Säuglingen und somit auch heutzutage noch eine ernst zunehmende Gefahr. Ebenfalls verwendete Begriffe sind die lateinische Bezeichnung mors subita infantium sowie die Abkürzung SIDS, die für sudden infant death syndrome steht.

Bei ungefähr 80 Prozent der Fälle waren die betroffenen Säuglinge zwischen 0 und 6 Monaten alt. Am häufigsten wurde der plötzliche Kindstod bei Kindern im Alter zwischen acht und 16 Wochen festgestellt. Dennoch sind auch Fälle bekannt, bei denen die Kinder 12 bis 24 Monate alt waren. Die Annahme, dass der plötzliche Säuglingstod nur im Schlaf auftritt, ist zwar nicht korrekt, aber dennoch ereignen sich die meisten Fälle in der Schlafperiode des Kindes.

Vom Plötzlichen Säuglingstod kann nur dann gesprochen werden, wenn alle natürlichen oder unnatürlichen Todesursachen, also etwa Gewalteinwirkung von außen, komplett ausgeschlossen werden können. Vorerkrankungen, deren Folge das Versterben sein kann, Infektionen, Unfälle, Fehlbildungen und Blutungen müssen ebenso wie Stoffwechselstörungen ausgeschlossen werden. Dadurch ist der Begriff abzugrenzen von der primären Schlafapnoe bei Säuglingen. Die Bestimmung der Todesursache erfolgt üblicherweise durch einen Kinderarzt oder Pathologen, in seltenen Fällen auch durch einen Rechtsmediziner. Sind durch die erfolgte Autopsie und die Todesumstände beziehungsweise den Todesort keine Anhaltspunkte für den Sterbegrund zu ermitteln, wird vom plötzlichen Säuglingstod gesprochen. Wie erwähnt ist der Krippentod somit eher eine Ausschlussdiagnose als eine Todesart, die dann gestellt wird, wenn es keine anderen Anhaltspunkte für den Todesfall gibt.

Der plötzliche Kindstod – mögliche Ursachen und Risikofaktoren

Aktuell gibt es noch keine klar zugewiesene Ursache, die zum plötzlichen Kindstod führt. Diverse Theorien versuchen das Phänomen zu erklären, wobei mittlerweile angenommen wird, dass es mehrere Faktoren gibt, sowohl innere als auch äußere, die den plötzlichen Kindstod begünstigen. Die bekanntesten Theorien beschreiben als Ursache

  • das Gift Botulinumtoxin, das etwa in verunreinigtem Honig zu finden ist
  • einen Phosphatmangel im Blut des Säuglings
  • die Störungen der Serotonin-Homöostase, also der Selbstregulation
  • einen verminderten Blutfluss zum Hirnstamm, der zu einer Mangelversorgung führt

Auch wenn die tatsächliche Ursache noch nicht eindeutig ermittelt werden konnte, wurden mittlerweile Risikofaktoren benannt, die das Auftreten des Krippentods begünstigen sollen. Neben den Risikofaktoren, bei denen mindestens einer bei 99 Prozent der festgestellten Fälle vorlag, wurden auch bestimmte Risikogruppen ermittelt, die besonders gefährdet sind.

Zu den Risikofaktoren gehören

  • Schlafen auf dem Bauch
  • Alter der Mutter bei der Geburt unter 20
  • Drogenkonsum der Mutter
  • Nikotinkonsum der Mutter während oder nach der Schwangerschaft in Beisein des Kindes
  • ein am Krippentod verstorbenes Geschwisterkind
  • Überwärmung
  • ungenügende Luftzirkulation, etwa durch das Zudecken des Kopfes oder eine Bettumrandung
  • Schlafen getrennt von den Eltern im eigenen Zimmer

Ob ein Zusammenhang zwischen Co-Sleeping, also dem gemeinsamen Schlafen von Eltern und Kind im Familienbett besteht ist ebenso umstritten, wie der Aspekt, ob der Verzicht auf das Stillen als Risikofaktor eingestuft werden kann.

Zu den Riskiogruppen zählen

  • Frühchen
  • Mehrlinge, wenn sie ein geringes Geburtsgewicht aufweisen
  • Kinder mit mehreren älteren Geschwistern
  • Kinder mit spezifischen Syndromen, wie der Konnatalen Hyperekplexie,
  • Kinder mit Apnoe

Auch Kinder aus sozial benachteiligten Familien und Kinder, die nur von einem Elternteil aufgezogen werden, sind statistisch häufiger vom Krippentod betroffen. Zudem sind Jungen mit 60 Prozent häufiger vom plötzlichen Säuglingstod betroffen.

Maßnahmen zur Risikominderung oder Vermeidung

Odenwälder BabyNest
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Da die Ursachen bis jetzt noch nicht zufriedenstellend geklärt wurden, gibt es aktuell noch keine Möglichkeit, den plötzlichen Kindstod sicher auszuschließen. Dennoch werden von Kinderärzten und Hebammen diverse Vorsorgemaßnahmen empfohlen, die zumindest die bisher bekannten Risikofaktoren vermindern oder vermeiden können.

Diese Maßnahmen werden seit mehreren Jahrzehnten nicht nur individuell sondern auch flächendeckend verbreitet, etwa durch Broschüren, wie etwa die übersichtliche Broschüre des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, die Hinweise zum sicheren Schlaf des Säuglings gibt: https://www.praeventionskonzept.nrw.de/mutterukind/materialien/Piktogrammfolder_Sicherer_Schlaf_2017.pdf

Zwar ereilt die betroffenen Kinder nicht nur im Schlaf der plötzliche Kindstod – da Säuglinge aber bis zu 20 Stunden schlafen, wird bei der Verhinderung der Risikofaktoren ein besonderes Augenmerk auf die Schlafumgebung des Kindes gelegt.

  1. Als geeignete Raumtemperatur werden 16 bis 18 Grad Celsius empfohlen, wobei darauf geachtet werden sollte, dass das Kind durch einen passend gewählten Schlafsack eine angenehme Körpertemperatur hat und weder überhitzt noch unterkühlt.
  2. Das Bettchen sollte frei von Gegenständen sein, die die Luftzirkulation behindern könnten, wie etwa Tücher, Kissen, Decken, Kuscheltiere, Nestchen oder Felle.
  3. Das Babybett sollte sich idealerweise im Elternschlafzimmer befinden und zudem unbedingt in einer rauchfreien Umgebung. Statistiken zufolge ist das Risiko für den Krippentod in einem Raucherhaushalt zwei bis vier Mal so hoch.

Sicher schlafen im Babyschlafsack

Das Schlafen in Rückenlage in einem passenden Babyschlafsack soll sich gleich aus mehreren Gründen positiv auf die Schlafqualität des Kindes auswirken:

Durch den passend gewählten Schlafsack wird die Körpertemperatur des Säuglings, der noch nicht zur Eigenregulation fähig ist, konstant gehalten und eine bedrohliche Unterkühlung oder Überwärmung wird ausgeschlossen.

Auch die gefährliche Überdeckung, die üblicherweise durch verrutschende Decken oder Kissen geschehen kann, wird durch einen gut sitzenden Babyschlafsack ausgeschlossen. Selbst durch das Strampeln oder Zerren am Stoff bleibt der Schlafsack an Ort und Stelle und das Kind wird weder ab- noch überdeckt. Zudem soll das Drehen in die als risikoreich eingestufte Bauchlage durch das Tragen eines Schlafsacks erschwert werden. Voraussetzung für die positiven Effekte ist, dass der Babyschlafsack sorgsam ausgewählt wurde und sowohl der bestehenden Raumtemperatur sowie der Größe und Breite des Kindes entsprechend ausgewählt wurde. Mehr Hinweise finden sich auf dieser Website oder etwa in dieser Infobroschüre:

https://www.praeventionskonzept.nrw.de/mutterukind/materialien/1Der_sichere_Babyschlafsack_-_Fachinformationen_-_Internet_2016-12.pdf